Pressetext:
Gestern stand er am Rande des Abgrunds, heute ist er einen Schritt weiter: Brenner (Josef Hader) kehrt nach Graz zurück, in die Stadt seiner Jugend. In der Konfrontation mit seinen Jugendfreunden, seiner Jugendliebe und seiner großen Jugendsünde, kommt es zu Morden und einem verhängnisvollen Kopfschuss. Als Brenner aus dem Koma erwacht, macht er sich auf die Suche nach seinem Mörder – obwohl alle behaupten, er sei es selbst gewesen…
Am Anfang war Brenner am Ende, aber am Ende könnte er vor einem neuen Anfang stehen.

Nach den drei legendären Brenner-Verfilmungen KOMM, SÜSSER TOD, SILENTIUM und DER KNOCHENMANN kommt nun mit DAS EWIGE LEBEN endlich der vierte Thriller nach den Kult-Bestsellern von Wolf Haas unter der Regie von Wolfgang Murnberger in die Kinos. An der Seite von Josef Hader spielen der Deutsche Filmpreis-Gewinner Tobias Moretti (DAS FINSTERE TAL), Nora von Waldstätten (DIE WOLKEN VON SILS MARIA) und die österreichische Kabarett-Institution Roland Düringer (HINTERHOLZ 8) in der pechschwarzen Krimikomödie.

Trailer


DAS EWIGE LEBEN
Ab 19. März 2015 im Kino

 

Interview mit Josef Hader

(geführt von Paul Ploberger)

Warum ist der Brenner so beliebt beim Publikum? Warum funktioniert das so gut?

Ich denke, dass wir eine gewisse Qualität erreichen, weil wir alle mehr arbeiten, als wir bezahlt bekommen. Vom Produktionsassistenten bis zum Regisseur, jeder tut mehr als notwendig bei diesen Filmen. Und dadurch entsteht eine besondere Qualität. Das ist meine Theorie.

Es ist schon 14 Jahre her, dass der Brenner zum ersten Mal auf der Filmleinwand zum Leben erweckt wurde. Wie hat er sich in dieser Zeit verändert?

Er ist älter geworden, so wie auch ich älter geworden bin. Und wir haben uns bemüht, ihn von Film zu Film sozial immer stärker bergab zu schicken. Mit jedem Film ist er noch ein bisschen weiter hinunter gefallen. Man hätte ihn auch rauffallen lassen können, aber Filme über sozialen Aufstieg liegen uns nicht so.

Was gefällt dir am besten am Brenner? Was ist für dich das Besondere an ihm?

Er ist jemand, die sich mehr traut als ich, weniger redet, mehr Kanten hat, sich besser durchsetzen kann. Das mag ich an ihm. Ich bin leider mehr ein Weichei, versuche immer alles aufzufangen, weil ich so ein konfliktscheuer Mensch bin. Deswegen schreibe ich gerne stärkere Charaktere als ich selber bin. Ein bissl wie bei Karl May, nur nicht so übertrieben.

Und wie viel Brenner ist trotzdem in dir? Und wie viel vom Herrn Hader hast du in die Rolle vom Brenner hineingeschrieben?

Das lässt sich schwer sagen. Man nimmt immer was von sich selber und mischt das dann mit Phantasie und mit dem, was im Drehbuch ist. Dadurch, dass ich den Charakter auch schreibend gestalte, ist vielleicht ein bisschen mehr drinnen als bei einem Schauspieler. Aber das kann man schwer selber beurteilen. Das ist so, als würde man einen Fisch fragen, wie das Wasser ist. Das wird er schwer sagen können, weil er zu stark in dem Element drinnen steckt. Und so ist es beim Brenner. Wenn man eine Figur schreibt und die dann auch spielt, dann ist das ein Prozess einer Annäherung. Den kann man nicht gut in Prozenten angeben.

Wolf Haas zog, als er 2003 angekündigt hatte mit den Brenner Büchern aufzuhören, einen interessanten Vergleich: Der Erzähl-Sound der Brenner-Bücher sei das, was für die E-Gitarre der Verstärker sei. Er lässt den Gitarristen gut klingen, auch wenn er eigentlich nur drei Akkorde beherrscht. Lässt sich dieses Zitat auf die Verfilmungen übertragen? Funktioniert der Brenner automatisch, wenn Murnberger Regie führt, das Triumvirat Hader-Haas-Murnberger das Buch verfassen und die Dor-Film produziert?

Ausgehend von der Sprache von Wolf Haas würde ich sagen, dass Wolfgang Murnberger und der Kameramann Peter von Haller miteinander eine eigene Bildsprache entwickelt haben und versuchen, in Bildern das auszudrücken, was der Wolf Haas mit Sprache macht, nämlich nicht ganz korrekt sein, aber auch nicht zu gewollt lustig. Und das ist der große Verdienst von den Beiden. Sie sind wahrscheinlich genauso wichtig für die ganze Geschichte wie das Drehbuch.

Du schreibst ja bewährter Weise beim Drehbuch mit. Was kannst du über die Zusammenarbeit erzählen?

Wir treffen uns am Anfang einige Tage lang und entwickeln einen Plot. Und dann schreiben der Wolfgang und ich abwechselnd Fassungen. Wolf Haas ist so ein bissl der Schiedsrichter, der uns aber auch hilft, wenn wir nicht weiter wissen.

Und die Fassungen schickt ihr euch dann gegenseitig?

Wir arbeiten nie an einer Fassung gemeinsam, sondern immer abwechselnd. Am Anfang kommt sehr viel vom Wolfgang, weil es um die Bilder und visuelle Grundideen geht. Am Schluss kommt mehr von mir, wenn’s um Charaktere geht, um Konflikte und so.

Du hast ja dieses Mal wieder einen prominenten Gegenspieler, den Tobias Moretti. Wie war für dich diese erstmalige Zusammenarbeit mit ihm?

Die Zusammenarbeit aller Schauspieler war nur super. Wäre sie aber nicht super gewesen, würde ich auch hier sitzen und behaupten, sie war super. Daher braucht man Schauspieler eigentlich nicht mehr nach der Zusammenarbeit fragen, man bekommt sowieso nur die Antwort: Es war super! … Es war aber wirklich super!

Die gleiche Frage haben wir auch noch für die Nora, zumal die Rollen ja auch eine spezielle Beziehung haben. Wie ist es euch da gegangen bis jetzt?

Sowohl für die Nora als auch für den Tobias gilt, dass man mit ihnen gut musizieren kann, also dass es Interaktion gibt bei jedem Take. Das sind beide keine hermetisch abgeriegelten Schauspieler, die alles nur aus sich selbst herausholen und ihr Gesicht in die Kamera halten, sondern kommunizierende Gefäße, die sich austauschen, die zuhören, die reagieren und mit denen man sich den Text gemeinsam herholen kann. Das ist sehr fein. Das sind einfach Musikanten, mit denen man gerne musiziert.

Der erste Brenner-Film war eine Krimi-Komödie, der zweite eine Thriller-Komödie und der Dritte laut deiner eigenen Beschreibung eine Horror-Thriller-Romantik-Komödie. Welchem Genre würdest du DAS EWIGE LEBEN zuordnen?

DAS EWIGE LEBEN ist selbstverständlich ein Cop-Film. Und einiges mehr auch noch. Genres sind immer Hilfsangaben, weil wir ja einen Genremix machen. Ich hab mir noch keine Bezeichnung ausgedacht für diesen Film, das ist ja sowieso alles nur für die Werbung. Aber er ist der Versuch, den Charakteren noch näher zu sein. Noch näher an das Existenzielle zwischen den Charakteren, gewissermaßen ans Eingemachte heranzukommen, ans Zahnfleisch. Und dazwischen die Komödie aufblitzen zu lassen.

Tobias Moretti und Nora von Waldstätten spielen wichtige Bezugspersonen des Brenner. Hattest du diese beiden Schauspieler bereits beim Schreiben im Kopf?

Am Anfang nicht. Da haben wir noch ins Blaue geschrieben und ab einem gewissen Zeitpunkt kamen die Besetzungsideen. In dem Moment, als Tobias festgestanden ist, haben wir bei seiner Figur noch einmal einen Schub bekommen. Weil wir beim Tobias das Gefühl hatten, dass sein Aschenbrenner so gern einmal ein Freund gewesen wäre vom Brenner, aber es hat leider nicht funktioniert. Auf einmal ist so eine komische Wärme in der Figur hineingekommen. Bei der Nora war es auch so: Plötzlich war sie da, hat diese Therapieszenen mit uns gespielt, und wir haben sofort gewusst: Da ist mehr dahinter, da ist noch ein Geheimnis. Sie hat so etwas unglaublich Fokussiertes, sodass man ihr sehr viel zutraut. Dann hat sie auch manchmal so eine kleine – ich weiß gar nicht wie ich sagen soll – eine kleine Verwirrung gespielt. Irgendwie schusselig. Wir hatten plötzlich die Idee von einer Mörderin, die noch nie geschossen hat in ihrem Leben, aber unbedingt jemand umbringen muss, weil sie ihren Mann retten will. Dann geht sie hin und hat gar nicht überlegt, wie es geht. Durch die Besetzung gibt es oft ein Wunder, Figuren blühen noch einmal ganz anders auf. Ich bin ein Drehbuchautor, der sich dazu bekennt, ein Stück weit auf die Schauspieler hin zu schreiben, und nicht nur von ihnen zu verlangen, sie müssen sich aufs Drehbuch zubewegen.

Die Dreharbeiten zum EWIGEN LEBEN beinhalteten viele Nachtdrehs, Verfolgungsjagden und physisch fordernde Arbeit. Wie ging es dir damit?

Es war eher hart, weil ich alle anstrengenden Drehtage hintereinander hatte. Ich hab versucht, das als Vorteil zu begreifen. Dass man immer voll im Geschäft ist und seine Fertigkeit, die notgedrungen entsteht, auch benutzt. Ob das aufgegangen ist, weiß man nicht genau. Teilweise ist man dann auch so aufgeraut, wenn man nicht ganz ausgeschlafen oder erschöpft ist, und dadurch bricht das Emotionale sogar leichter nach außen.

Kannst uns du einen typischen Brenner-Satz sagen? Etwas, das ihn ausmacht?

Typisch ist, dass er, wenn er angegriffen wird, den Kopf schief legt und die Augen zusammen kneift. Das soll dem Feind Entschlossenheit signalisieren. Haut aber oft nicht hin.

Wer Migräne kennt, kann verstehen, dass man versucht, sie zu wegzuschießen. Kennst du das auch?

Ich hab nie Kopfweh! Ich habe mit ein paar Leuten darüber gesprochen, wie das ist. Das war eine der Szenen, bei der ich am meisten Angst gehabt habe, das glaubwürdig zu machen. Dass man sich in den Schädel schießt, weil man so sehr Kopfweh hat. Wie soll man das spielen? Ich hab’s probiert, aber ich finde solche Dinge sehr schwer. Von Film zu Film steigen die Anforderungen als Schauspieler bei der Brenner-Figur und ich bin mir nicht sicher, ob ich dem gerecht werden kann. Aber wenn man vier Filme mit derselben Figur macht, muss man die Grenzen ausloten.

Wie weit hast du dich verändern müssen? Haare schneiden, Bart wachsen, Haare färben?

Bart wachsen lassen, längere Haare, alles rötlich gefärbt. Ich mag keine langen Haare, ich mag auch keinen Bart.

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